World Usability Day – Kommdirekt auf Trendsuche

Das sind die neusten Usability Trends

In verschiedenen Städten, darunter Stuttgart, Zürich und Graz, aber auch in Toronto, Mexiko und Sankt Petersburg fand am 8. November der 14. World Usability Day statt. Kommdirekt war beim größten Event in München dabei und hat sich auf Trend-Suche begeben.

UX Design for Good or Evil“ war das Motto in diesem Jahr. Darunter versteht man das positive Benutzererlebnis, das Freude und Akzeptanz auslöst, wie auch das negative Erlebnis, das beim Nutzer Probleme und Frustration verursacht. Das Design hat dabei einen großen Einfluss auf das Verhalten der User. Das gemeinsame Ziel des World Usability Day ist:

To ensure that technology helps people live to their full potential and helps create a better world for all citizens everywhere. We don’t have to put up with products and services that don’t work well and that human error is a misnomer. No-one should have to suffer through products and services  that get in their way. People should not be made to feel stupid by technology.“ – WorldUsabilityDay.org

Rund 100 UX/UI-Spezialisten trafen sich im Hochhaus der Süddeutschen Zeitung um den ganzen Tag über verschiedene, spannende Themen zu diskutieren. Darunter Dauerbrenner wie UX von Nachrichten und Service Design, aber auch ganz neue Felder wie Green UX und Voice UI. Die Vorträge sollten dazu anregen darüber nachzudenken welchen Einfluss man als Designer bei der Gestaltung von Nutzererlebnissen hat.

 

Nachrichten UX

Texte beeinflussen das Nutzer-Erlebnis, das ist klar. Im Bereich der Nachrichten UX zeigt ein Beispiel deutlich, wie nur ein Satzzeichen verändern kann, was wir als Medium über die Realität kommunizieren:

Nachrichten Usability am Beispiel von Söder

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Die kommunizierte Realität ist immer dann elementarer Bestandteil der UX von Nachrichten, wenn sie Stimmung und Wohlbefinden des Lesers beeinflussen kann. Zusätzlich hat eine Umfrage der Süddeutschen Zeitung ergeben, dass die meisten Nutzer Texte nur überfliegen, das heißt der Text sollte kurz genug sein, sonst wird er nicht gelesen.

Ebenso ist es immer wieder Thema, wie mit besonders deutlichen, sexuell freizügigen oder verstörenden Bildern, den sogenannten „expliziten“ Bildern umgegangen wird. Eine mögliche Lösung im UX-Design ist es, das Bild erst verschwommen oder verdunkelt anzuzeigen, falls zum Beispiel Kinder das Handy oder Tablet mit den Nachrichten zufällig sehen. Erst nach einem weiteren Klick darauf wird das explizite Bild scharf angezeigt.

 

UX im Service Design

Im Mittelpunkt des Service Designs steht die Gestaltung der Dienstleistungs-Schnittstelle aus der Sicht des Kunden. Im Service Design werden verschiedene Phasen durchlaufen – von der explorativen Recherche, über die Analyse, Ideation (in ganzheitliche Service-Produkte und Patientenerlebnisse umwandeln) bis zum Prototyping.

In vielen Kliniken herrscht im Alltag eine Kluft zwischen den individuellen Erlebnissen, Erwartungen und Bedürfnissen der einzelnen Stakeholder. Beispielsweise ist das Arzt-Erlebnis ein komplett anderes als das Patienten-Erlebnis. Patienten sind Spezialisten, wenn es um ihr Klinik-Erlebnis geht.

Mit dem Service-Design wird versucht, die Patientenzufriedenheit zu steigern, die Weiterempfehlungsrate zu erhöhen und nicht zuletzt auch die Loyalität der Ärzte zu ihrer Klinik zu verbessern. Beispiel hier ist das LMU Klinikum München, das mit Service Design versucht hat, das Nutzer-Erlebnis zu verbessern. Mit einer Nutzerumfrage wurden Optimierungsvorschläge gesammelt und zu Handlungsempfehlungen ausgearbeitet.

Service Design der LMU München

Quelle: LMU Klinikum München

Green UX

Ein relativ neues Thema ist die sogenannte Green UX. Der Gedanke, der sich dahinter verbirgt ist: UX sollte nicht nur gut für den Nutzer sein, sondern auch für die Umwelt: saubere Umwelt = happy User! Die sogenannten Data-Center, die zur Verarbeitung sämtlicher Nachrichten benötigt werden, erzeugen Emissionen – der Energieverbrauch steigt von Jahr zu Jahr.

Was wir davon mitgenommen haben:

  • Den größten Umwelteinfluss haben gerade die Teile eines IT-Produktes, die nicht unmittelbar durch den User erfahrbar sind.
  • Green UX kommt nicht ohne Green Device
  • Ein nachhaltiges Produkt benötigt auch einen nachhaltigen Prozess.
  • Watch your mindset: Wenn schon an der Wurzel (beim UX Design & Development) nicht mitgedacht wird, kann nicht erwartet werden, dass alle User mitdenken.
  • Barrieren überwindbar machen: #1MAKEITEASY

 

Voice UI

Das Trend-Thema 2018 ist Voice UI. Typische Fragestellungen sind hier: Welche Erwartungen hat der Nutzer? Welche Begriffe benutzt der User? Wird alles von Alexa/Apple Home oder Google Home verstanden? Welche Usecases bringen Nutzen oder Freude?

Voice UI Beispiel

Quelle: Michael Wörmann & Dominik Zerr, Facit Research GmbH & Co. KG

Im Focus steht bei dieser recht neuen Technologie, die sich ständig weiterentwickelt vor allem das ausführliche Testing. Wie könnten zum Beispiel UX-Labortests von Voice User Interfaces aussehen? Die Probanden testen bei der Facit Research Group verschiedene Befehle und werden dabei von Entwicklern beobachtet. In diesem einen Test hat sich ergeben, dass Nutzer Fehler momentan noch verzeihen, da die Skills von Alexa teils noch unausgereift sind. Die Fehlertoleranzgrenze der Interviewteilnehmer war sehr hoch und kleinere Usability-Probleme wurden von den Nutzern akzeptiert.

Dieses Thema trifft auch genau das Motto des diesjährigen WorldUsabilityDay, nämlich Wege zu finden, um die Welt durch angemessene Usability und positive Benutzererlebnisse zu verbessern.

 

Mein Fazit zum Thema Usability

Ich bin von Voice UI nicht nur sehr überzeugt, ich glaube, dass Sprachsteuerung wirklich die Zukunft ist. Deshalb bin ich gerade dabei, mir selbst das Developer-Wissen in Sachen Voice UI anzueignen. Das bleibt auf jeden Fall das Trend-Thema Nummer 1 im Bereich UX und ich bin gespannt, wie ich meine Alexa zuhause programmieren kann. Updates folgen – natürlich auf diesem Blog!